Veronika beschließt zu sterben von Paulo Coehlo

19. März 2009 | Autor: Redaktion | Rubrik: Romane

Der Roman „Veronika beschließt zu sterben” von einem Weltstar unter den Schriftstellern, Paulo Coelho, fängt da an, wo alles aufhört: Beim Tod. Die junge Veronika versucht sich gerade mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben zu nehmen, angesichts ihres ereignislosen Lebens. Da fallen ihre Augen auf einen Zeitungsartikel, der forsch nach Slowenien fragt und keine Ahnung über die geografische Lage des Landes hat. Mit letzter Kraft beginnt Veronika einen Brief an die Redaktion zu schreiben. Bis sie letztendlich langsam einschläft und sich dem letzten großen Ereignis ihres eigenen Lebens zuwendet: Dem Suizid. Jedoch erwacht Veronika nach einigen Tagen. Zu allem Überfluss, in einer geschlossenen Anstalt.

Coelho zeichnet ein verdrehtes Bild. Insassen werden da zu eigenwilligen Lebenskünstlern, die letztendlich sympathischer und menschlicher sind. Während hingegen das Wachpersonal als grübelnde und abgeschottete Fraktion dargestellt wird. Ohne Sinn und Verstand, lediglich ihrer Arbeit nachgehend, die im Kontrast zu den „kreativen” Köpfen unter den Insassen, wie Sklaven ihrer eigenen Verrücktheit wirken. Sehr bald verschwimmen die Grenzen und als Leser stellt man sich selber die Frage: Wer ist hier der normale, der rationale Mensch und wer der „Verrückte”? Figuren wie Dr. Igor, seines Zeichens Chef der Anstalt und Freund von „interessanten” Therapiemethoden, wirken weiter weg von Menschlichkeit und Verstand als seine Patienten. Als Leser eine durchaus interessante Fragestellung, da Coelho klarmacht das Rationalität und Verrücktheit enger zusammen liegen, als man glaubt. Und trotzdem kommt eines immer wieder durch: Den Ratschlag, sein Leben in die Hand zu nehmen und ihm einen Sinn zu geben. Etwas, was die Protagonistin fast zu spät beherzigt und angesichts ihres Verhaltens, beim Leser durchaus für Stirnrunzeln, aber auch seeliges Lächeln sorgen kann.

Denn kurz nach ihrer Ankunft erfährt Veronika, dass sie in wenigen Tagen stirbt, angesichts eines Herzfehlers, der durch die Überdosis hervorgerufen wurde. Mit neuem Lebensmut beseelt, beginnt sie nun ihr Leben so zu leben, wie sie es für richtig hält – und nebenbei sich dringend nach Medikamenten umzusehen, um ihr Schicksal so früh wie möglich zu besiegeln. Insgesamt ein wirklich schönes Buch, das zwar trotz trauriger Rahmenbedingungen, Mut macht sein Leben so zu leben wie man will und sich nicht von äußeren Einflüssen oder Gegebenheiten beeindrucken lassen sollte.

Veronika beschließt zu sterben
Roman von Paulo Coehlo

Taschenbuch
Verlag: Diogenes Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257233051
ISBN-13: 978-3257233056

Das Buch ist ab April 2009 auch als Hörbuch in ungekürzter Lesung erhältlich und kann schon jetzt vorbestellt werden.

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