Das geheime Heilwissen der Klosterfrauen

30. August 2009 | Autor: Sabine Schumacher | Rubrik: Gesundheit

Halb wissenschaftlich gehalten beschreibt Dr. Johannes G. Mayer in seinem Buch “Das geheime Heilwissen der Klosterfrauen” den Status von Frauen im Umfeld von Kloster und Heilwesen. So taten sich beispielsweise im Hochmittelalter, auf das sich das Buch ausschließlich bezieht, Frauen wie Heloise Fulbert, Eleonore von Aquitanien, Elisabeth von Thüringen oder Hildegard von Bingen in der Pflege von Kranken hervor.

Ein eigener Abschnitt ist der italienischen Heilerin Trota gewidmet, die im 12. Jahrhundert an der Medizinschule von Salerno wirkte, wie auch den Beginen (Frauen, die sich in einer Lebensgemeinschaft außerhalb von Klöstern zusammenschlossen) und Klosterapothekerinnen. Dabei waren die wenigsten der erwähnten Heilerinnen tatsächlich “Klosterfrauen”, sondern wirkten gerade auch auf weltlicher Ebene.

Im zweiten Teil des Buches über die eigentliche Heilkunde bildet die Weltanschauung der Schule von Salerno, die die Welt in die vier Primärqualitäten warm-feucht, warm-trocken, kalt-trocken, kalt-feucht unterteilten und diesen Elemente, Planeten oder Konstitutionstypen zuordneten, die Grundlage. Auch Trota und Hildegard von Bingen sollen ihre Heilkunde stark von solchen Temperamenttypen abhängig gemacht haben. Die übrigen im ersten Teil des Buches genannten Frauen bleiben hier unerwähnt.

Im dritten Teil werden 50 Heilpflanzen der Klosterfrauen kurz vorgestellt. Wie der Autor selbst sagt, wurden die Pflanzen “nach ihrer Bedeutung in den beiden medizinischen Schriften der Hildegard von Bingen, Physica und Causae et curae, ausgewählt. Eine weitere wichtige Quelle stellt das Kräutergedicht De viribus herbarum dar.”

Beschrieben werden unter anderem Petersilie, Beifuß, Salbei, Eibisch, Ingwer und viele mehr, teilweise ergänzt durch einfache Rezepte. So solle man Ingwer bei Übelkeit kauen oder mit einem Brennnesseltee die Harnwege durchspülen. Interessanter ist das Rezept für Muskatnuss-Plätzchen aus der Sammlung von Hildegard von Bingen: 20 Gramm Muskatnuss sollen in die Gute-Laune-Plätzchen. Es wird vom Autor darauf hingewiesen, dass höhere Dosen von Muskatnuss zu Vergiftungserscheinungen führen können, allerdings ohne Mengenangabe. Tatsächlich geht man heute davon aus, dass bereits vier Gramm zu Vergiftungserscheinungen führen, während 20 Gramm bereits Halluzinationen hervorrufen können.

Das Buch bezieht sich fast ausschließlich auf schriftliche Quellen und Überlieferungen im Umfeld der abendländischen Wissenschaft. Als früheste Quelle für die mittelalterlichen Heilkundigen werden die Griechen genannt. Komplett außen vor bleiben mündliche Überlieferungen, insbesondere das überlieferte Heilwissen der Frauen außerhalb der Klöster oder Überlieferungen aus einem Europa vorchristlicher Zeit (teilweise erst 300 Jahre zurückliegend).

Auf besonderes, lange geheim gebliebenes Wissen, hofft man in diesem Buch vergeblich, die Pflanzenanwendungen, die vorstellt werden, sind allgemein bekannt. Auch bleibt offen, wo die Damen ihr Wissen über die üblichen Klosterschriften hinaus hernahmen. Dafür werden erstaunlich oft Mittel der Frauenheilkunde aus jener Zeit erwähnt, obwohl die genannten Frauen keineswegs nur Frauenleiden kuriert haben.

Das geheime Heilwisen der Klosterfrauen
von Johannes G. Mayer

Broschiert
Verlag: Rowohlt Tb
ISBN-10: 3499623730
ISBN-13: 978-3499623738

Autorin: Sabine Schumacher

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